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NAMENSZOFF! platz der kinderrechte (die vierte?) (Presseberichte)

hütchen @, köln, Mittwoch, 27.03.2019, 17:54 (vor 257 Tagen)
bearbeitet von hütchen, Mittwoch, 27.03.2019, 19:25

Von Ayhan Demirci
Köln - Der Streit um die richtige Benennung des Areals des ehemaligen Kölner Kinderheims in Sülz spitzt sich zu. Die Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker (CDU) hat für den 3. April zu einem Gipfeltreffen ins Lindenthaler Bezirksrathaus geladen.

Politiker des Bezirks Köln-Lindenthal und Betroffene kommen zusammen

Teilnehmer sind die Vertreter der Fraktionen in der Bezirksvertretung (CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke) sowie Mitglieder des Fördervereins Erinnerungsorte Kinderheim Köln-Sülz (kurz: Feks). Dies sind: Silke Stellbrink als Anwohnerin des neu bebauten Geländes: die pensionierte Lehrerin Gertrud Wiesel als Sülzer Bürgerin; sowie Peter Halberkann als Ehemaliger des Heims.

Sie fordern die Bezirksvertretung auf, das 2011 nach dem ehemaligen Oberstadtdirektor Heinz Mohnen benannte Kinderheimquartier an der Waisenhauskirche/Kirche zur Heiligen Familie nicht nur teilweise, sondern komplett in Platz der Kinderrechte umzubenennen.

Im Zentrum steht der Vorwurf, mit der Benennung nach Mohnen der „überragenden historischen Bedeutung und Aussagekraft des Ortes absolut nicht gerecht zu werden“, wie es in einem von mehreren Protestschreiben an Helga Blömer-Frerker heißt. Auch Heinz Mohnen habe zur Würdigung seines Wirkens einen angemesseneren Platz verdient.

Neue Ungereimtheiten um Namensvergabe an Heinz Mohnen

Die Stadtverwaltung hatte der Bezirksvertretung im Januar 2011 als Beschlussvorlage zwei Namensvorschläge eingereicht, die einen konkreten Bezug zur Bedeutung des Areals haben: Hermann Gmeiner (gest. 1986), Gründer der SOS Kinderdörfer, oder die Kölnerin Käthe Flöck (gest. 2004), die eine Stiftung für Kinder gegründet hatte.

Die Kinderheime der Stadt Köln hätten durch Käthe Flöcks Stiftung bis zum damaligen Zeitpunkt „Zuwendungen im sechsstelligen Bereich erhalten“. Das Geld wurde für die Ausstattung und Möblierung von Wohngruppen, für Ferienaufenthalte und die Anschaffung eines Kleinbusses verwendet.

Stattdessen aber kam auf Antrag der stärksten Fraktion, der CDU, der ehemalige Kölner Oberstadtdirektor Heinz Mohnen (SPD, gest. 2005) zum Zuge. Im Sitzungsprotokoll heißt es, dass Blömer-Frerker darauf hinwies, dass im Bezirk eine interne Prioritätenliste für künftige Straßenbenennungen existiere und dass „danach vordringlich Herrn Mohnen … eine repräsentative Straße oder ein entsprechender Platz vorbehalten sein sollte“.

Gegen die Stimmen der Grünen votierte eine Mehrheit aus CDU, SPD, FDP und Pro Köln für den Heinz-Mohnen-Platz. Ein Linker enthielt sich.

Heinz Mohnens Lebensmittelpunkt war Ehrenfeld

Das Argument, Heinrich, genannt Heinz Mohnen sei 1914 in der Wichterichstraße in Sülz geboren, verblasst beim Blick in die 1938 vorgelegte Doktorarbeit des herausragenden Juristen. In der Dissertation schreibt Mohnen über sich: „Ich besuchte von 1920 bis 1924 die Volksschule zu Köln-Ehrenfeld, sodann das Schillergymnasium ebendort“.

Als junger Erwachsener zog Mohnen in eine eigene Wohnung in Ehrenfeld. Nach Kriegsdienst und –gefangenschaft machte der Sohn eines Eisenbahners eine glänzende Karriere in der NRW-Justiz, stieg auf bis zum Präsidenten des Kölner Amtsgerichts.

Als solcher bezog er 1963 eine Wohnung in der städtischen Villa Fürst-Pückler-Straße 58 am Stadtwald. In dem repräsentativen Gebäude hatte zwischen 1937 und 1945 der Kölner NS-Gauleiter Josef Grohé gelebt. Später lebte die Familie Mohnen in Müngersdorf.

Wechsel beim Verein Erinnerungsorte Kinderheim Köln-Sülz

In einer kontrovers geführten Sitzung des „Fördervereins Erinnerungsorte Kinderheim Köln-Sülz“ kam es unterdessen im Zuge der Namensdebatte zu einem Führungswechsel. Der bisherige Sprecher des Vorstands erklärte seinen Rücktritt. Die Führung des Vereins wurde neu gewählt.

Mit Unicef: Köln ist Gastgeber des „Gipfels kinderfreundlicher Kommunen“

Die Initiatoren für die Platz-Umbenennung hoffen jetzt nicht nur auf eine dauerhaft befriedigende Lösung des Konflikts: sie hoffen auch darauf, dass der Stadt mit der Revidierung der bisherigen Haltung der Bezirksvertretung ein prestigeträchtiger Coup gelingen könnte. Denn: Köln richtet in diesem Jahr den internationalen Gipfel kinderfreundlicher Kommunen aus.

Die Kinderhilfsorganisation Unicef war an die Stadt mit dem Wunsch herangetreten. Der Kongress findet vom 15. bis 18. Oktober im Gürzenich statt, 500 Teilnehmer aus 50 Ländern werden erwartet.

Peter Halberkann, ein Ehemaliger des Kinderheims: „Wie stolz könnte die Stadt Köln sein, wenn sie ihre Gäste gewissermaßen im „Wohnzimmer“ des historischen Geländes auf dem Platz vor der Kirche „Zur Heiligen Familie“ begrüßen und zeigen könnte, welch hohen Wert die Kinderrechte für Köln heute haben.“

Unicef zeichnete Köln 2018 aus

Köln war die erste Millionenstadt Deutschlands, die sich den Kinderrechten verpflichtet. Mit einem Aktionsplan hatte sich die Stadt beworben. Sie wurde im Februar 2018 im Kölner Rathaus von der Initiative „Kinderfreundliche Kommunen" des Deutschen Komitees für Unicef und des Deutschen Kinderhilfswerks mit dem Siegel für Kinder- und Jugendfreundlichkeit ausgezeichnet.

hier der link zum artikel. (bilder und heinz mohnens lebenslauf könnt ihr auch da sehen.)
https://www.express.de/koeln/koelns-platz-der-kinderrechte-namenszoff--krisengipfel-mit...

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Langzeitstudentin der Toleranz!


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