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"Platz der Kinderrechte" (Presseberichte)

hütchen @, köln, Sonntag, 10.03.2019, 14:50 (vor 276 Tagen) @ hütchen

hallo ihr guckenden/lesenden, ich hatte zwar wolfgang abelns kommentar gepostet, aber gertrud wiesels - den klaus zumindest auf der hauptseite gepostet hatte - hier vergessen. das hole ich dann hiermit mal nach:

Sehr geehrte Frau Blömer-Frerker,

Sie haben bisher das Projekt der „Erinnerungsorte“ in Köln-Sülz sehr konstruktiv begleitet und sich auch in der Bezirksvertretung für eine angemessene Benennung des alten Kinderheim-Terrains eingesetzt. Daher hoffe ich, dass auch der bevorstehende zweite Antrag zur Umbenennung des Heinz-Mohnen-Platzes Ihre Zustimmung findet.

Im Antrag von Peter Halberkann und Klaus Grube werden umfassende und überzeugende Argumente für die gewünschte Umbenennung zum „Platz der Kinderrechte“ genannt. Ich möchte hier nur als historisch interessierte Sülzer Bürgerin auf die am 24.9.2018 in der Ablehnung des Zentralen Namensarchivs genannten Argumente eingehen.

Der „thematische Bezug“ des gewünschten neuen Namens ist m.E. vorbildlich, denn er stellt die Verbindung her zwischen der hundertjährigen Geschichte des Ortes, den Lebensumständen von Tausenden von Kindern, ihren Betreuer/innen und dem jeweils prägenden gesellschaftlich-politischen Bewusstsein und Wollen. Ein „Platz der Kinderrechte“ hält gleichzeitig auch die Frage wach nach den demokratisch legitimierten, zukünftigen Perspektiven für die Rechte von Kindern.

Ein besonderer „Ausnahmefall“ liegt diesem Namensvorschlag unbedingt zugrunde. Die Umstände der rasanten Umwidmung des Geländes zu einer neuen Siedlung haben zwischenzeitlich dazu ge-führt, dass seine besondere historische Bedeutung aus dem Blick geriet. Der Verein „FEKS“ hat es sich mit Erfolg zum Auftrag gemacht, die so entstandene Lücke zu schließen und angemessene „Erinnerungsorte“ zu schaffen. Mit dem Findlingsprojekt, das im Jahr 2018 umgesetzt wurde, ist dies in ersten Schritten gelungen. Der „Ausnahmefall“ für eine neue Namensgebung ist also die notwendige verwaltungstechnische Anpassung an die zurecht erinnerte Geschichte des Ortes und aller oben schon genannten, damit verbundenen pädagogischen und politischen Implikationen.

Mit einer „Ordnungs- und Orientierungsfunktion“ oder möglichen „negativen Folgen für die Anwohner“ zu argumentieren, scheint mir einem Wertekanon zu entspringen, der diesem Ort absolut nicht gerecht wird, da er dessen überragende historische Bedeutung und Aussagekraft verkennt.

Ein kurzer Blick auf eine wirklich radikale, aber historisch vorbildliche Umbenennung in Sülz sollte auch der Verwaltung Mut zum verändernden Handeln machen: Sehr viele Straßennamen in Sülz sind nach Orten in der Eifel benannt. Inmitten dieser Straßen lag der „Blankenheimer Platz“, als Wochenmarkt immer schon ein wichtiges Zentrum des Veedels. Am 2. Mai 1946 wurde er zu Ehren von Dr. Benjamin Auerbach, (1855 – 1940), dem langjährigen Leiter des Israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache, in „Auerbachplatz“ umbenannt. Diese Umbenennung war mit Sicherheit damals eine Herausforderung, nicht nur für die Verwaltung und die Anwohner. Heute birgt dieser Name einen der letzten Hinweise auf das in der Blankenheimerstraße 55 beheimatete Israelitische Kinderheim (1930-1934).

So könnten der „Auerbachplatz“ und der „Platz der Kinderrechte“ in Sülz wichtige Impulse geben, Geschichte zu erfahren, zu erforschen und zu gestalten.

Mit freundlichen Grüßen,
Gertrud Wiesel

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Langzeitstudentin der Toleranz!


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