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Trostpflaster? Wut-Mail von 91-jähriger Kölnerin (Presseberichte)

hütchen @, köln, Donnerstag, 14.03.2019, 20:04 (vor 157 Tagen)
bearbeitet von Klaus Grube, Donnerstag, 14.03.2019, 21:58

Köln - Jetzt ist es amtlich! Köln hat erstmals in seiner Geschichte einen Platz der Kinderrechte.

Im aktuellen Amtsblatt der Stadt Köln heißt es, dass ein Teil des Heinz-Mohnen-Platzes in Sülz entsprechend umbenannt wird. Die Adressenregelung gilt ab sofort.

Damit soll die Geschichte des Ortes gewürdigt werden. Auf dem Areal befand sich bis vor wenigen Jahren das größte Kinderheim Europas.

Kölner Stadtverwaltung hatte Umbenennung zunächst abgelehnt

Ein erster Anlauf zur Umbenennung des Platzes mit dem Votum der Bezirksvertretung Lindenthal war am Widerstand der Stadtverwaltung gescheitert. Die hatte auf ein drohendes Adressenwirrwarr am Platz hingewiesen.

Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker (CDU) konnte die Zweifel offenbar zerstreuen. Nach einem Ortstermin mit den Fachleuten der Verwaltung gab es grünes Licht.

Ob die Querelen um die Benennung des Platzes damit beendet sind, ist offen. Ehemalige des Heims sehen es als Affront, dass die Bezirksvertretung nicht bereit ist, auch den zentralen, in ihren Augen entscheidenden Platz an der Waisenhauskirche umzubenennen. Die jetzige kleine Lösung betrachten sie als „Trostpflaster“.

Kölner Waisenheim: Teilweise skandalöse Zustände

Der jetzige Namensgeber, der ehemalige Kölner Oberstadtdirektor Heinz Mohnen, gilt als oberster Dienstherr unweigerlich mitverantwortlich für die teilweise skandalösen Zustände im Kinderheim, die erst Jahre später ans Tageslicht kamen. Zudem existiert ein Brief Mohnens, in dem er Kindern die Glaubwürdigkeit abspricht. Hintergrund waren Klagen von Kindern über Demütigungen und Prügel.

Platz steht für 22 500 Kinderschicksale

Doch auch Ehemalige, die keinen Missbrauch erleiden mussten, halten die Namensvergabe an einen einzelnen Spitzenbürokraten wie Mohnen angesichts der 22 500 Kinderschicksale, für die das Gelände zwischen Sülzgürtel und Beethovenpark steht, für deplatziert. Bislang konnte die Bezirksvertretung auch keine schlüssige Erklärung für Ihre Entscheidung liefern.

Zeitzeugin: Sie lebte als Vollwaise im Heim

Die heute 91-jährige, im Kölner Klösterchen geborene Gertrud Klöckner, lebte als Vollwaise im Sülzer Kinderheim, nachdem sie als Kind innerhalb von zwei Jahren erst ihre junge Mutter, dann ihren Vater verloren hatte. Sie sagt: „Ich bin erschüttert darüber, dass das Areal Heinz-Mohnen-Platz genannt wurde - und dass die Politik dabei bleibt und jetzt nur einen kleinen, abseits liegenden Platz für die Kinderrechte umbenennt.“

Brief an Bürgermeisterin Helga Blömer-Frerker

Vor vier Wochen hatte die frühere Mitarbeiterin der US-Botschaft in Bonn eine wütende Mail an die Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker geschrieben. In der heißt es: „Es ist armselig und beschämend zugleich, dass man nicht in der Lage ist abzuwägen – das Gedenken von über 20 000 Kindern gegen eine Person.“ Eine Antwort habe sie bis heute nicht erhalten.

Zuletzt hatten auch die Architekten der am ehemaligen Kinderheim entstehenden Erinnerungsstätte eine komplette Umbenennung des Platzes als einzig angemessene Lösung bezeichnet (Das ganze Projekt: Hier erfahren Sie mehr). Die Stadt befinde sich da in einer schwierigen Lage. Für den Herbst ist die feierliche Einweihung der Erinnerungsstätte vorgesehen.

Von Ayhan Demirci für EXPRESS
https://www.express.de/koeln/amtlich-koeln-hat-jetzt-platz-der-kinderrechte---wut-mail-...

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Langzeitstudentin der Toleranz!


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